Hinterfragt, Laut gedacht

Sturmwolken

Die Zeit vergeht. So rasend schnell. Wie ein Wirbelsturm.

Wie eine Welle, die am Ufer bricht.

Gestern wurde man doch erst geboren und hat Laufen gelernt. Man lernte seine Stimme zu gebrauchen, sich zu artikulieren und zuerst Wörter, dann ganze Sätze zu formulieren. Aus der Kleidung wächst man wöchentlich heraus. Vom Haarschnitt ganz zu schweigen.

Und wenn man erst mal in die Vorschule oder den Kindergarten geht ist sowie alles schnell vorbei. Noch gestern wiegten die Eltern das Kind in den Armen und morgen lernt es schon lesen. Die Schulzeit verfliegt und dann ist man 16 und fängt an auszugehen und sich immer mehr bis spät in die Nacht herumzutreiben.

Wehmütig erinnern sich die Eltern zurück, wie es war, als es die ersten Zähne verlor und gerade erst das Lesen lernte.

Blond, brünett, rotblond oder schwarz. Begeistert stellt man seine große Liebe vor und hofft, dass er/sie sich der Zustimmung der Eltern erfreut. Doch es ist ja noch zu jung große Reden zu schwingen über Gott und die Welt. Wann ist es so groß geworden?

Und dann kommt der nächste große Schritt. Der Führerschein wird ausgestellt und man rauscht davon. Spürt den ersten Hauch von Freiheit und Unabhängigkeit. Doch es war ja erst gestern, als man die Stützen vom Fahrrad nahm.

Mit 18 oder 19 Jahren hat man dann das Abitur geschafft. Das erste große Steppenziel erreicht. Stolz schauen die Eltern zu ihrem Kind auf, dass es nun endlich geschafft hat und offiziell bereit für die große weite Welt ist.

Und tapfer lässt man es in den Zug steigen, der ihn so weit von zuhause wegbringt. Widerwillig hört man sich an, wie es sich ein neues Leben erschafft. Ohne Chance sich selbst daran zu beteiligen. Stolz auf das was es erreicht. Doch im Hinterkopf noch die ersten tapsigen Schritte im Sinne.

Die Zeit verfliegt. Zuerst der Bachelor und dann der Master. Und die Eltern runzeln die Stirn. Es kann doch nicht sein, dass ihr kleines Kind nun plötzlich schon Mitte 20 ist. Einen Arbeitsplatz und eigene Wohnung hat.

Man spricht über die Miete und Steuererklärungen. Über Möbel und den Garten. Über die Arbeit und Überstunden und staunt selbst wann man so erwachsen wurde. Wie schnell alles verging und wann man aufhörte bis spät in die Nacht zu feiern. Ab wann man froh war nach Hause und einfach nur schlafen zu gehen.

Der Sand der Zeit rinnt wieder. Man spricht über Kinder und das Heiraten. Über Urlaube und Flitterwochen. Über Schwangerschaften und Dehnungsstreifen. Über kinderfreundliche Umgebung und Haustiere. Über Eltern und Schwiegereltern. Über Sonntagsbesuche und Grillfeste.

Und dann ist man selbst verheiratet und hat ein Kind, das Eltern zu Großeltern und Kindern zu Eltern macht. Das Mama und Papa und Oma und Opa lernt. Die ergrauten Großeltern freuen sich und melancholisch vergleichen sie Bilder aus alten Tagen mit dem neuen Enkel, das sie so frech anlacht. Sie sind alt geworden. Die Zeit ist auch ihnen nicht spurlos vorbeigegangen. Ehemals volles und kräftiges Haar ist schütter geworden und die Farbe verblasst. Doch auch sie waren mal so jung, wie das Enkel vor ihnen, das sein ganzes Leben noch vor sich hat.

©Sara Pepe

2 Gedanken zu „Sturmwolken“

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